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Wehr

Kunst in Wehr – hervorragende Kunstlandschaft in Wehr

Wehr hat seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine erstaunlich große Anzahl exzellenter Kunstschaffender hervorgebracht. Dies lag einerseits an der Entwicklung der Textilindustrie, die kreativ begabten Menschen in den Designer-Ateliers gute Arbeitsplätze bot. Andererseits haben aber auch Persönlichkeiten wie der Öflinger Kunstpfarrer Paul Gräb wichtige Impulse zur Entwicklung der Kunst gegeben.

Adolf Glattacker (1878-1971)

Der im Volksmund als „Engelismooler“ (Engelsmaler) bezeichnete Adolf Glattacker wurde 1878 im Wehrer Ortsteil Enkendorf geboren und verstarb 1971 in Lörrach-Tüllingen. Er wird zu den wichtigsten Heimatmalern des Markgräflerlandes gezählt. Glattacker absolvierte ein Kunststudium an der Kunstakademie in Karlsruhe und in Paris. Sein Werk ist stark auf den heimatlichen Raum bezogen. Adolf Glattacker wurde mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Wehr ausgezeichnet. Der Wehrer Architekt und Künstler Hermfried Richter veröffentlichte 2003 die Glattacker-Monografie „Betrachtungen über ein alemannisches Künstlerleben“.

Ernst Honigberger (1885-1974)

Ernst Honigberger wurde 1885 in Kronstadt/Rumänien geboren und studierte an der Berliner Akademie bei Prof. Georg Koch. Durch Ausstellungen in Berlin, Budapest, Stuttgart, Stockholm, Moskau, Leningrad, Bukarest und auch in Übersee (Valparaiso und Batawia) zählte er in den 1920er und 1930er Jahren zu den bekannten deutschen Malern. Durch einen Bombenangriff 1943 wurde sein Berliner Atelier und mit ihm Hauptwerke seines Schaffens vernichtet. Gemeinsam mit seiner Frau, der Konzertgeigerin Erna Honigberger, zog der Maler nach Wehr, von wo aus er durch die 1945 gegründete „Kunstschule Honigberger“ in die Kunstszene des Südwestens wirkte. Ernst Honigberger starb 1974 in Wehr. Das Büchlein „Ernst Honigberger“ (Damnitz-Verlag, München 1964) enthält eine Skizze seines Lebens sowie eine Wertung seines Werks.

Gustel Fricker (1904-1965)

Gustel Fricker absolvierte eine Lehre als Musterzeichner in der Wehra AG. Danach studierte er ca. ein Jahr an der Kunstakademie in Karlsruhe. Bereits vor dem 2. Weltkrieg hatte er eine Kunstausstellung in München. Von 1938 bis 1945 war er Soldat. Nach dem Krieg lebte er zeitweise als freier Künstler und verkaufte viele Bilder in die benachbarte Schweiz. Um seine Familie zu ernähren (er hatte 4 Kinder), nahm Gustel Fricker wieder eine Anstellung bei der Wehra AG an. Er machte aber immer wieder durch Ausstellungen in der Region von sich Reden. Hermfried Richter veröffentlichte anlässlich des 100. Geburtstages von Gustel Fricker im Jahr 2004 eine Dokumentation, die im Wehrer Buchhandel erhältlich ist.

Adolf Lamprecht (1912-1995)

Adolf Lamprecht war Designer in der Wehra AG und schuf während des 2. Weltkriegs Portraitzeichnungen und Kreideportraits von Soldaten und Kriegsgefangenen. 1944 erhielt er den Albrecht-Dürer-Preis. Sein Hauptwerk mit vielen Ansichten seiner Heimatstadt Wehr entstand nach 1946. In der Buchpublikation „Adolf Lamprecht: Ein Wehrer Künstler in wechselvoller Zeit“ (Wehr 2009) gibt Hermfried Richter einen Überblick über Leben und Werk des Künstlers.

Erich Felber (1920-2001)

Der Maler und Zeichner Erich Felber begann 1935 eine Lehre als Musterzeichner in der Wehra AG. Aus dem 2. Weltkrieg kehrte er schwer verletzt nach Hause. Der Versuch, an der Münchner Akademie ein Kunststudium zu absolvieren, scheiterte sowohl an der Not der Nachkriegszeit als auch an seinem Gesundheitszustand. Felber setzte seine Laufbahn bei der Wehra AG fort und wurde Atelierleiter der Teppichabteilung. Neben dem Brotberuf war er als Maler und Zeichner tätig. Das Buch „Erich Felber. Mensche. Blumen. Landschaften – Mit einer biografischen Skizze von Dr. Reinhard Valenta“ (Wehr 1999) dokumentiert sein Schaffen.

Lothar Weiss (1929-2006)

Lothar Weiss kam ebenfalls aus den Ateliers der Wehra AG, wo er den Beruf eines Musterzeichners erlernte. 1946-50 besuchte er Ernst Honigbergers Kunstschule, dann 1952/53 die Kunstschule für Textil- und Raumgestaltung in Basel. 1960 war er Preisträger des Internationalen Dessinwettbewerbs in Frankfurt/M. Seit 1964 setzte er sich intensiv mit dem Holzschnitt auseinander und zählte später zu den führenden Vertretern dieses Faches in Südwestdeutschland. In vielen Veröffentlichungen der kath. und ev. Kirche ist Lothar Weiss vertreten. Er stellte auch seit den 1960er Jahren regelmäßig im Rahmen des „Öflinger Modells“ bei Paul Gräb aus.

Weitere Wehrer Künstler

Weitere Wehrer Künstler, die immer wieder in Wehr und der Region durch Ausstellungen, Kunstaktionen oder Publikationen in Erscheinung treten, sind Hansjörg Bisswurm, Peter Grüninger, Willi Raiber, Willi Reichelsdorfer, Hermfried Richter und Uli Wunsch.

Cordula Güdemann

Cordula Güdemann wurde 1955 in Wehr geboren und kam als Schülerin mit Paul Gräbs „Öflinger Modell“ in Berührung. Sie studierte an den Kunstakademien von Karlsruhe und Düsseldorf und erhielt bedeutende Preise und Stipendien (Villa-Romana-Preis, Karl Schmidt-Rottluff-Stipendium, Villa-Massimo-Preis u.a.) Cordula Güdemann hat seit 1995 eine Professur für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart inne. Sie zählt zu den bedeutendsten Malerinnen Deutschlands und berät gemeinsam mit ihrem Akademiekollegen Prof. Werner Pokorny die Hanna und Paul Gräb-Stiftung beim Aufbau der Kunstsammlung „Projekt Öflingen – Kunst geistig Behinderter aus dem Lothar Späth-Förderpreis für Künstler mit geistiger Behinderung“.

Marianne Leber-Wetter

Marianne Leber-Wetter wurde 1953 in Wehr geboren. Sie studierte von 1973 bis 1980 an der Kunstakademie in Freiburg sowie in Karlsruhe. Sie stellte mehrfach im Rahmen des „Öflinger Modells“ bei Pfarrer Paul Gräb aus und ist heute als Kunstlehrerin an einem Karlsruher Gymnasium tätig.

Das „Modell Öflingen“ – Kunstpfarrer Paul Gräb

Der evangelische Pfarrer Paul Gräb schrieb mit seinem „Öflinger Modell“ ein Kapitel der deutschen Kunstgeschichte der Nachkriegszeit. Er organisierte 1961 in seiner Öflinger Kirche die erste Kunstausstellung in einem sakralen Raum, die moderne Gegenwartskunst zeigte. Mit ihr begann der Dialog zwischen Kunst und Kirche. Zu den ihn unterstützenden Künstlern zählten damals u.a. Max Ackermann, Otto Dix, HAP Grieshaber und Erich Heckel. Später kamen so berühmte Kunstschaffende wie Horst Antes, Jürgen Bisswurm, Günther Uecker und viele andere hinzu. Mit ihrer Hilfe baute Paul Gräb 1985 das Haus der Diakonie in Wehr-Öflingen. Zum Dialog von Kunst und Kirche trat nun die Einbeziehung geistig Behinderter in Kunstprozesse. Paul Gräbs Lebenswerk wird durch die Hanna und Paul Gräb-Stiftung sowie durch den Lothar Späth-Förderpreis und die Sammlung „Projekt Öflingen – Kunst geistig Behinderter“ fortgesetzt. Insbesondere Anne-Sophie Mutter, die eng mit dem Ehepaar Gräb verbunden ist, setzt sich für die Pflege des Lebenswerks ein.

Elena Romanzin

Elena Romanzin wurde 1976 in Alghero/Sardinien geboren und wuchs zunächst in Algerien und Jordanien auf. Nach Abschluss ihres 5-jährigen Kunststudiums in Syrakus/Sizilien und Perugia/Umbrien entstehen in Deruta und Assisi zunächst Skulpturen und Portraits als Auftragsarbeiten. Später widmet sie sich in Città della Pieve, ebenfalls Umbrien, der gegenständliche und abstrakte Malerei. Seit 2011 lebt und arbeitet die freischaffende Künstlerin und Dozentin in Wehr. Viele ihrer neuen Gemälde setzen sich in unterschiedlichen Techniken mit ihrer neuen Heimat auseinander. Ihre Werke waren bereits in zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland, Frankreich und Italien zu sehen. Im Art-Dorf Ötlingen ist sie mit zwei Trompe l’Oeils vertreten.
Nähere Informationen: www.elenaromanzin.com

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